Die Neubaufassade reflektiert eine historische Zeichnung des Hauses, das bis zu seiner Zerstörung im Krieg an der bewussten Stelle stand. Bei der Umsetzung handelt es sich jedoch nicht um eine Rekonstruktion, sondern um die Interpretation dieser Abbildung in einer mehrschichtigen Putztechnik, dem sogenannten Sgraffito.

Das Hotel Werk 17 wurde mit einer mehrschichtigen Fertigteilfassade errichtet. Optisch jedoch entspricht sie gewiss nicht dem Klischee des „Plattenbaus“. Die schuppenartige Anordnung der Klinkerriemchen wäre in dieser Exaktheit vor Ort kaum zu realisieren gewesen. Sie zeugt inmitten der industriellen Fertigung auch von der handwerklichen Expertise des Herstellers, mit dem gemeinsam die Elemente entwickelt wurden.

Aufgrund tiefgreifender baulicher und energetischer Mängel war das ursprünglich auf dem Baugrundstück stehende Haus dieser Epoche nicht zu erhalten gewesen. Um zumindest die Erinnerung daran weiter zu tragen, entschlossen sich Andreas Hild, Dionys Ottl und Matthias Haber dazu, historische Fassadenteile als Spolien in die Brüstung der neuen Loggien zu integrieren.

Prägend für die Straßenfassade sind vorgestellte Balkone aus Betonfertigteilen, die eine großformatige Struktur bilden. Der durch einen Zuschlagstoff leicht rötliche Beton hebt sich vor dem dunklen Putz klar ab. Bald schon wird sich im Bereich der Balkone die Nutzung als lebendiges Bild abzeichnen und so die strenge Form überlagern.

Das Büro- und Wohnhaus mit Gewerbe- und Gastronomieflächen im Erdgeschoss ist als Stadtbaustein S40 in das städtebauliche Konzept des Baugebietes „Schwabinger Tor“ eingebettet. Seine vorgehängte, hinterlüftete Fassade setzt sich zusammen aus asymmetrisch kreuzförmigen Klinker-„Puzzlestücken“. Diese Stahlbetonteile mit eingelegten Klinkerriemchen werden im Werk vorgefertigt.

Auf einem ehemals industriell genutzten, 38 Hektar umfassenden Areal hinter dem Münchner Ostbahnhof soll ein urbanes Viertel entstehen, das sogenannte Werksviertel München. Die Planung verzahnt Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit miteinander. Im Zentrum des Quartiers liegt das ehemalige Werksgelände der Firma Pfanni. Die darauf befindlichen Industriegebäude werden zum Großteil revitalisiert und stehen in einem spannungsreichen Kontrast zwischen alt und neu.