Übernachtungsschutz Lotte-Branz-Strasse

Das Gebäude der ehemaligen Bayernkaserne, in dem der Münchner Kälteschutz seit 2012 behelfsmäßig untergebracht war, muss einer Neubebauung des Geländes weichen. Um das bundesweit einzigartige Übernachtungsangebot für obdachlose Männer, Frauen und Kinder übergangslos und mit verbesserten Standards fortzusetzen, soll bis 2023 ein Neubau mit 800 Plätzen errichtet werden.

Neben der Sicherstellung der funktionellen Aspekte muss die Architektur des Hauses, das einen Schutzraum für besonders benachteiligte Menschen darstellen wird, hohen ästhetischen Ansprüchen genügen. Die markante Kubatur entwickelt sich dabei – in bewusster Anlehnung an das 1927 in der Münchner Bergmannstrasse errichtete Ledigenheim Theodor Fischers – direkt aus der Organisation der Räumlichkeiten. Die einzelnen Gebäudestangen, in denen getrennt voneinander und jeweils in Vier-Bett-Zimmern Männer, Frauen und Familien sowie eine medizinische Einrichtung zur Erstuntersuchung von Asylbewerbern untergebracht werden, sind versetzt zueinander angeordnet und nur in den Eckbereichen miteinander verbunden. Dadurch ergibt sich eine attraktive Hofstruktur mit ebenfalls eigenständigen Freibereichen, die als „Außenwohnzimmer“ zusätzliche Aufenthaltsqualität schaffen. Anklänge an das historische Vorbild sind über die Kubatur hinaus im Gestaltungsprinzip der Fassade und vor allem in der Systematik der Grundrisse unverkennbar.

Mit diesem städtischen, entgegen der Monotonie etwa von Containerbauten sorgsam gestalteten Haus soll auch ein Impuls für eine künftige Stadtentwicklung gesetzt werden. Im derzeitigen Gewerbegebiet angesiedelt, könnte der Neubau, so die Hoffnung der Architekten, vielleicht als erster Stadtbaustein zur Aufwertung dieses Bereichs beitragen und so dafür sorgen, auch die darin untergebrachten Personen auf lange Sicht hin ins Stadtgefüge zu integrieren.

Aus Gründen der Kosten- und Zeitersparnis bot sich eine serielle Bauweise für das Projekt an. Die Tragkonstruktion bildet ein Betonskelettbau aus Fertigteilelementen. Über einem Sockelbereich aus Betonfertigteilen ist die aufgehende Fassade aus Holzrahmenelementen aufgebaut. Beim Innenausbau kommt ebenfalls Holz zum Einsatz. Diese Konstruktionsweise ermöglicht es dem Gebäude durch einfachen Rück-, Um- und Weiterbau flexibel auf mögliche Zukunftsszenarien, wie beispielsweise Nutzungsänderungen reagieren können. Sollte es tatsächlich gelingen, dem Problem der Obdachlosigkeit, wie von der Europäischen Union gefordert, ganz grundsätzlich entgegenzutreten, wäre es die Traumaufgabe der Architekten, das Gebäude für seine Nutzerinnen und Nutzer in herkömmliche Wohnungen umzubauen.

Projektinformationen

Projekttyp: Wohnungsbau
Projektstatus: Im Bau
Standort: München
Bauherr: Landeshauptstadt München
Architektur: Hild und K Architekten
Andreas Hild, Dionys Ottl, Matthias Haber
Projektleitung: Katharina Benz
Mitarbeit: Klaudia Janc

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