Geschäftshaus Weinstrasse 7 / 7a

Projekttyp: Gewerbe, Hotel
Projektstatus: Gebaut
Fertigstellung: 2020
Standort: München
Bauherr: Nymphenburg Immobilien AG
Architektur: Hild und K Architekten
Andreas Hild, Dionys Ottl, Matthias Haber
Zusammenarbeit mit: Architekturbüro Thomas Hetfleisch & Joachim Leppert
Projektleitung: Markus Schubert
Mitarbeit: Katharina Benz
Alex Gutekunst
Illias Muckli
Fotografie: Michael Heinrich

Das Baugrundstück, auf dem im Auftrag der Nymphenburg Immobilien GmbH das sechsgeschossige Geschäftshaus mit Hotel und Restauration errichtet wurde, liegt inmitten der Münchener Altstadt. Den Charakter des Ortes bestimmt die Architektur des sogenannten Wiederaufbaus. 1945 hatte die Stadtspitze beschlossen, die weitgehend zerstörte Innenstadt im Anklang an traditionelle Bauformen neu zu errichten. Neben Erhalt und Rekonstruktion historischer Bauteile kam es dabei vielerorts zu einer bewussten Annäherung moderner und althergebrachter Elemente. Diesem Geist folgt auch die Fassade von Andreas Hild, Dionys Ottl und Matthias Haber. Die Erinnerung an einen mondänen Vorkriegszustand verknüpft sie mit einer Wiederaufbautechnik, um so zu einem zeitgenössischen Gesamtbild zu gelangen.

Der Entwurf reflektierte eine historische Zeichnung des Hauses, das bis zu seiner Zerstörung im Krieg an der bewussten Stelle stand. Bei seiner Umsetzung handelt es sich jedoch nicht um eine Rekonstruktion, sondern um die Interpretation dieser Abbildung innerhalb eines Sgraffitos. Diese mehrschichtige Putztechnik wurde auch im München der 1950er Jahre oft angewendet, um Fassaden zu gestalten und in den historischen Kontext einzupassen. Ein Beispiel findet sich auf der Rückseite des unmittelbar benachbarten „Neuen Rathauses“. Flächiger als dort wurde die entsprechende Fassadengestaltung beim ebenfalls nahegelegenen Kaufhaus „Beck am Rathauseck“ ausgeführt. Hier finden sich auch die klassischen Farben (Ziegel)Rot und (Kalk)Grau. Wie auch das andernorts häufig verwendete (Ruß)Schwarz verdanken sie ihre historische Prominenz den entsprechenden Zuschlagstoffen, die dem Putz beigemischt wurden. Über die Wiederaufnahme dieser traditionellen Sgraffito-Farben tritt der Neubau in Korrespondenz mit den Ziegeln des Münchner Doms und der Muschelkalkfassade des Münchner Rathauses. Auf der Blickachse zwischen den beiden ikonischen Gebäuden gelegen, passt er sich der jeweiligen Perspektive an. So ist die Rückseite des Hauses reduziert auf zwei steingraue Töne, die Vorderseite bringt eine weitere rote Schicht ins Spiel.

Architektur

An der Filserbräugasse, wo das Schwarzweiß ins Farbige wechselt, war einst die Grenze zwischen den beiden Parzellen der Nachkriegsbebauung. Die jetzige Baufläche orientiert sich am Vorkriegszustand, dessen Zerstörung und die darauffolgende Baugeschichte werden zugleich in der Farbgebung thematisiert. Alt und Neu verbinden sich auch in der Technik, in der das Fassadenornament erstellt wurde. Der Name „Sgrafitto“ leitet sich ab vom italienischen „sgraffiare“, „kratzen“. Traditionell werden verschiedenfarbige Puzschichten übereinander aufgetragen und anschließend partiell wieder „abgekratzt“. Das gemeinsam mit der Firma Restauro Putz GmbH Arte Antica entwickelte Umsetzungskonzept erweitert das Potential der hergebrachten Handwerkskunst mithilfe modernster Technik. Zunächst wurde die Originalzeichnung, die dem Ornament zugrunde liegt, von der Illustratorin Sarah Nonnenmacher am Computer in „Lebensgröße“ überführt. Entsprechend wurden Schablonen angefertigt, die vor dem Auftrag der letzten Schicht auf den unmittelbar darunterliegenden Putz aufgebracht und während des Trocknungsvorganges wieder entfernt wurden. Im dreifarbigen Relief sind zusätzlich die tiefsten, anthrazitfarbenen Flächen auf hergebrachte Weise und nach Vorzeichnung auf die Fassade herausgearbeitet.