2. RA Freiham Nord

Projekttyp: Städtebau
Projektstatus: In Planung
Standort: München
Bauherr: Landeshauptstadt München
Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Architektur: Hild und K Architekten
Andreas Hild, Dionys Ottl, Matthias Haber
Zusammenarbeit mit: Sergison Bates architects (London)
Büro Krucker (Zürich)
und Studio Vulkan Landschaftsarchitektur (Zürich und München)
Projektleitung: Jonathan Bürgel

Ein Team aus den Büros Hild und K München Berlin, Sergison Bates architects (London), Büro Krucker (Zürich) und Studio Vulkan Landschaftsarchitektur (Zürich und München) wurde im April 2018 mit dem ersten Preis im städtebaulich-landschaftsplanerischen Wettbewerb für den zweiten Realisierungsabschnitt des Neubaugebiets München Freiham Nord ausgezeichnet. Der künftige Wohnstandort befindet sich am westlichen Stadtrand Münchens, ungefähr 15 km vom Zentrum der Landeshauptstadt entfernt. Der Wettbewerbsumgriff beträgt 57 Hektar und soll einmal 7.000 Wohneinheiten beherbergen. Er ist Teil des Stadterweiterungsgebiets Freiham, das künftig Wohnraum für 25.000 Menschen und Fläche für 7.500 Arbeitsplätze bieten soll. Das Programm der Landeshauptstadt München fordert in enger Anbindung an den im Bau befindlichen ersten Realisierungsabschnitt neben der eigentlichen Wohnbebauung auch Flächen für soziale und kulturelle Zwecke, Geschäfte, Nachbarschaftstreffs, Schulen und Kindertagesstätten sowie ein Konzept für Verkehr und öffentlichen Raum. Die Vorgaben für den zweistufigen Wettbewerb waren ambitioniert. In den Auslobungsunterlagen findet sich die Forderung: „An die Stelle einer hauptsächlich funktional verstandenen Stadtplanungsaufgabe soll vielmehr wieder die Kunst treten, Stadträume zu artikulieren.“ Der Entwurf antwortet – auch angesichts der mit zwanzig Jahren lange angesetzten Realisierungsspanne – mit einem robusten und zugleich flexiblen Konzept, das der Notwendigkeit einer möglichst dichten Bebauung ebenso entgegenkommt wie dem Bedürfnis nach qualitätsvollen öffentlichen Grün- und städtischen Freiflächen.

Inspirieren ließen sich seine Verfasser von den städtebaulichen Vorstellungen Theodor Fischers, der in den 1890er Jahren dem Münchner Büro für Stadterweiterung vorstand. Sein damals entwickelter „Staffelbauplan“ war bis in die 1970er Jahre in Kraft. In einem erweiterten städtebaulichen Ansatz denkt der preisgekrönte  Entwurf weit über die einzelnen Grundstücksgrenzen hinaus. So entstehen im neuen Quartier urbane Raumfolgen, differenziert durch jeweils individuelle Charaktere, durch unterschiedliche Formen und Nutzungen. Die öffentlichen Räume – Straßen, Plätze und Parks –  bilden die Grundlage für das Entstehen künftiger Nachbarschaftsbeziehungen. Die Verkehrswege nehmen Bezug auf die im Osten bestehenden Planungen und etablieren auf dieser Basis eine Hierarchie der Straßenräume.  Ein neuer zentraler Quartiersanger bildet eine durchgehende Nord-Süd Verbindung für den Bus, die Fußgänger und Radfahrer. Er verbindet die Quartiere, die jeweils einen großzügigen Platz als Mitte aufweisen. Diese Plätze schaffen in ihrer je individuellen Form, Orientierung und Nutzung einen unverwechselbaren Bezugspunkt innerhalb der Nachbarschaft. Wie in der Auslobung gefordert, verbinden zwei Grünfinger den neuen Stadtteil direkt mit der bestehenden Siedlungsstruktur von Aubing im Osten und den lokalen Erholungsräumen im neu entstehenden Landschaftspark im Westen. Während sich der südliche Grünfinger als tiefer offener Landschaftsraum in die Stadt hineinzieht, hat der nördliche Grünfinger eher einen städtischen Charakter. Er staffelt sich in drei eigenständige Grünräume und verwebt somit den Landschaftspark stark mit der neuen Quartiersstruktur.

Der Planungsperimeter wurde in 17 polygonale Baufelder gegliedert. Diese sind so geschnitten, dass in ihren Zwischenräumen unterschiedlich geformte Platzsituationen als informelle Treffpunkte für die Nachbarschaft entstehen. Für die einzelnen Baufelder wird eine Anzahl unterschiedlicher Bautypen vorgeschlagen, Einschnitte und Durchgänge erlauben Einblicke in die halböffentlichen Höfe. Weil die Gebäudekanten den Grundstücksgrenzen folgen, entsteht eine zusammenhängende städtische Struktur, während gelegentliche Lücken – dem Beispiel Fischers folgend – die Strenge des Blockrandes auflösen und dadurch eine tiefere Bebauung und eine größere Variation der Wohnformen ermöglichen. Vier der Baufelder nehmen die vorgesehenen Schulen auf. Ihre Eingänge sind an den öffentlichen Platz der jeweiligen Quartiere gelegt, sie fördern so den sozialen Austausch und ein lebendiges städtisches Miteinander. Die Außenbereiche der Schulen orientieren sich hin zum angrenzenden Landschaftpark, mit dem sie teilweise verschmelzen. Die Höhe der einzelnen Gebäude variiert von vier bis zu acht Geschossen, einige besonders exponierte Häuser sind an strategischen Stellen platziert, um markante Situationen innerhalb des Viertels zu schaffen. Insgesamt lebt der Entwurf von einer städtebaulichen Einheit in der Vielfalt und einer hohen differenzierten Dichte. Das Konzept ist damit stark genug, um auch die bis ins Jahr 2040 zu erwartenden Anpassungen der Planung aufzunehmen. Die Wettbewerbsjury, angeführt von Architekten, Landschaftsplanern und Angehörigen des städtischen Referats für Stadtplanung und Bauordnung lobte den Siegerentwurf einstimmig für die hohe Qualität sowohl der vorgeschlagenen Bebauung als auch des öffentlichen Raums. Die Arbeit integriere zwei grundlegende Ansprüche, indem sie die im Vergleich höchste städtebauliche Dichte mit dem geringsten Anteil an versiegelter Fläche verbinde.