Umbau und Sanierung Residenzstrasse

Projekttyp: Bauen im Bestand
Projektstatus: Gebaut
Fertigstellung: 2015
Standort: München
Bauherr: Grundstücksgemeinschaft
Residenzstr. 22 in München,
Andreas Lischka und SOS-Kinderdorf e.V.
Architektur: Hild und K Architekten
Andreas Hild, Dionys Ottl, Matthias Haber
Projektleitung: Sebastian Klich
Mitarbeit: Carlos Moya
Nina Großhauser
Chrisa Lazariotou
Charlotte Reith
Insa Thiel

Das Wohn-, Büro- und Geschäftshaus, für dessen Umbau und Sanierung Hild und K Architekten verantwortlich zeichnen, liegt im Zentrum Münchens, unmittelbar gegenüber dem Westflügel der Residenz. Die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Straßenfassade wurde in den 50er Jahren neu erstellt. Das gliedernde Stuckprofil ist typisch für die Erbauungszeit und damit für die unter Ensembleschutz stehende Wiederaufbauarchitektur der Münchner Innenstadt. Ein besonders sorgfältiges Vorgehen bei der Sanierung der Straßenfassade war notwendig, um deren stadtbildprägendem Charakter gerecht zu werden. Andreas Hild, Dionys Ottl und Matthias Haber stellten bei diesem Projekt die zurückhaltenden architektonischen Eingriffe ganz in den Dienst des historischen Kontexts. Die maßgeblich verwendeten Ockertöne nähern sich an den restauratorischen Befund an. Die Farbgestaltung orientiert sich an der Aquarelltechnik, wie sie in der klassischen Architekturdarstellung praktiziert wird. Durch unterschiedliche Verdünnungen der ockerfarbenen Lasur wurden unterschiedliche Farbtiefen erreicht, dunkler für die schmaleren Faschen, heller für Füllungen und weitere Flächen.

Die Analogie zur grafischen Darstellung ist damit noch nicht erschöpft. Tatsächlich funktioniert die äußerste Oberfläche des Gebäudes wie eine Art Vorsatzpapier. Elemente, die diese Zweidimensionalität durchbrechen und in die Tiefe weisen, sind farblich bewusst abweichend gehalten. So entsteht der Eindruck einer Einstanzung in das „Schmuckpapier“: Vielleicht am eindrücklichsten ist der Kontrast zwischen dunkelbraunem äußeren und weißem inneren Rahmen der überarbeiteten, mit einer 2-fach Isolierverglasung und integriertem Sonnenschutz energetisch sanierten Verbundfenster der Straßenseite. Die durch aktuelle Bestimmungen geforderte Absturzsicherung vor den Fenstern ziert ein feines Ornament, das sich in Variationen im übrigen Gebäude wiederfindet. Filigrane Stahlringe überschneiden sich asymmetrisch und bilden ein florales Muster. Sein Vorbild findet sich in den Brüstungsgeländern der in den Fünfziger Jahren wiederaufgebauten nahegelegenen Staatsoper.

Die bestehende Verkleidung des ebenerdigen Ladengeschosses aus Kehlheimer Auerkalk wurde gereinigt, überarbeitet und teilweise ersetzt. Neue Ladenfenster und Eingangstüren wurden aus brüniertem Messing, Bronze und Eichenholz angefertigt. Eine Erweiterung des Erdgeschosses in den Innenhof hinein sorgt für ein Mehr an Ladenfläche. Alle Innenräume wurden zunächst auf ihre tragende Struktur zurückgeführt. Erstes, zweites, drittes und viertes Obergeschoss sind nun zu offenen, hellen Büroeinheiten ausgebaut. Die durch glatte Deckenfriese gefassten, markanten Betondecken wurden dabei bewusst roh belassen. Sie stehen als Zeugen ein für die bewegte Baugeschichte, die das Haus über die vergangenen Jahrhunderte geprägt hat. Einen kontrastierenden Akzent setzt ein über die Raumdiagonale verlegtes Fischgrätparkett, das gemeinsam mit Schreiner-Arbeiten in Form von Konvektorenverkleidungen für ein edles Erscheinungsbild sorgt. In den beiden obersten Stockwerken befindet sich eine barrierefreie Wohneinheit mit einer neu gestalteten großzügigen Dachterrasse und Balkon. Alle Etagen sind durch einen neu eingebauten Aufzug erreichbar.