Abgeordnetenhaus Ismaninger Strasse

Projekttyp: Bauen im Bestand
Projektstatus: Gebaut
Fertigstellung: 2014
Standort: München
Bauherr: Bayerischer Landtag
vertreten durch Staatliches Bauamt München 2
Architektur: Hild und K Architekten
Andreas Hild, Dionys Ottl, Matthias Haber
Projektleitung: Markus Schubert
Mitarbeit: Sebastian Klich
Chrisa Lazariotou
Rafal Ramatowski
Amelie Walter
Fotografie: Michael Heinrich

Das Gebäude in der Ismaninger Straße in München, unweit des Maximilianeums, besteht aus einem gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Stadthaus und zwei neueren Anbauten. Seit den 1970er Jahren wird es durch den Bayerischen Landtag genutzt. Zuletzt entsprachen die Räume und die innere Gebäudeerschließung nicht mehr aktuellen Standards. Diese Umstände gaben Anlass für die Umbaumaßnahmen, die auch die gewünschte Barrierefreiheit sicherstellen sollten. Die Gesamtsanierung leistete vor allem auch einen Beitrag zu den im Sinne des Klimaschutzes notwendigen Energieeinsparungen: Die EnEV 2009 wird hinsichtlich der Anforderungen an die Gebäudehülle sowie den Primärenergiebedarfswert um über 30 % unterschritten. Die entsprechende energetische Ertüchtigung des Abgeordnetenhauses wurde erreicht durch eine neue Außendämmung in Form eines Wärmedämmverbundsystems, neue Fenster mit Dreifach-Verglasung sowie den Anschluss an das Fernwärmenetz.

Auch da sich das Gebäude in unmittelbarer Nähe zu denkmalgeschützten Gebäuden befindet, war auf die Gestaltung der Außendämmung besondere Sorgfalt zu verwenden. Die Fassade zeigt sich nun – in der gewählten Ornamentik wie in den verwendeten Putzstrukturen – als moderne Interpretation im Umfeld vorgefundener Putzreliefs. Für ihre spezifische Ausprägung standen die energetischen Besonderheiten des Bestandes Pate: Nachdem die Dicke der Außenwände nach oben hin abnimmt, nimmt die erforderliche Dämmstärke geschossweise zu. In nach oben hin zunehmenden Schichten erhebt die Wärmedämmverbundfassade diese Vorgabe zum formalen Prinzip ihrer Gliederung. Zugleich galt es waagrechte Flächen, auf denen sich Wasser sammeln und die Fassade angreifen könnte, zu vermeiden. Das Relief ist insofern Zeugnis eines ästhetischen Umgangs mit konstruktiven Begebenheiten.

Nach der Gesamtsanierung stehen im Gebäude 40 Abgeordnetenbüros und drei Besprechungsräume zur Verfügung. An den einstigen „Altbaucharme“ erinnern kassettierte Türblätter und ein neuverlegtes Fischgratparkett. Das Treppenhaus verweist mit Natursteinintarsien im Eingangsbereich auf die noble Atmosphäre der Entstehungszeit. Eine während der Bauzeit zutage getretene gusseiserne Originalstütze wurde freigelegt und sorgfältig integriert. So trägt auch dieser „Zeitzeuge“ zum architektonischen Gesamtbild bei: Durch die moderne, zeitgemäße Umsetzung traditioneller Bauformen gewinnt das Abgeordnetenhaus in der Ismaninger Straße neue Stärke innerhalb des architektonischen Kontexts.