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Lernendes Freiham

„Freiham ist aktuell das größte Münchner Stadtentwicklungsprojekt. Und nicht nur das: Durch seine Größe hat es Bedeutung für die gesamte Region. Die Weichen für die weitere Entwicklung sind mit der Entscheidung des Wettbewerbs für den zweiten Realisierungsabschnitt gestellt.“ So sieht es die Münchner Stadtbaurätin, Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk. Und lädt mit dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung am 21. Juni ab 10 Uhr 30 ins Isarforum zum Fachkongress „Lernendes Freiham“. Weitere Details zum Kongress finden Sie hier…

Als Referenten dabei sind Hild und K-Partner Matthias Haber und Landschaftsarchitekt Dominik Bueckers (Studio Vulkan), die ihren gemeinsam mit Büro Krucker und Sergison Bates architects verfassten Siegerentwurf im städtebaulich-landschaftsplanerischen Wettbewerb für den zweiten Realisierungsabschnitt des Neubaugebiets München Freiham Nord vorstellen.

Die Vorgaben hierfür waren ambitioniert. In den Auslobungsunterlagen findet sich die Forderung: „An die Stelle einer hauptsächlich funktional verstandenen Stadtplanungsaufgabe soll vielmehr wieder die Kunst treten, Stadträume zu artikulieren.“ Der Entwurf antwortet – auch angesichts der mit zwanzig Jahren lange angesetzten Realisierungsspanne – mit einem robusten und zugleich flexiblen Konzept, das der Notwendigkeit einer möglichst dichten Bebauung ebenso entgegenkommt wie dem Bedürfnis nach qualitätsvollen öffentlichen Grün- und städtischen Freiflächen.

Inspirieren ließen sich seine Verfasser von den städtebaulichen Vorstellungen Theodor Fischers, der in den 1890er Jahren dem Münchner Büro für Stadterweiterung vorstand. Sein damals entwickelter „Staffelbauplan“ war bis in die 1970er Jahre in Kraft. In einem erweiterten städtebaulichen Ansatz denkt der preisgekrönte  Entwurf weit über die einzelnen Grundstücksgrenzen hinaus. So entstehen im neuen Quartier urbane Raumfolgen, differenziert durch jeweils individuelle Charaktere, durch unterschiedliche Formen und Nutzungen. Die öffentlichen Räume – Straßen, Plätze und Parks –  bilden die Grundlage für das Entstehen künftiger Nachbarschaftsbeziehungen.

Der Planungsperimeter wurde in 17 polygonale Baufelder gegliedert. Diese sind so geschnitten, dass in ihren Zwischenräumen unterschiedlich geformte Platzsituationen als informelle Treffpunkte für die Nachbarschaft entstehen. Für die einzelnen Baufelder wird eine Anzahl unterschiedlicher Bautypen vorgeschlagen, Einschnitte und Durchgänge erlauben Einblicke in die halböffentlichen Höfe. Weil die Gebäudekanten den Grundstücksgrenzen folgen, entsteht eine zusammenhängende städtische Struktur, während gelegentliche Lücken – dem Beispiel Fischers folgend – die Strenge des Blockrandes auflösen und dadurch eine tiefere Bebauung und eine größere Variation der Wohnformen ermöglichen.

Die Höhe der einzelnen Gebäude variiert von vier bis zu acht Geschossen, einige besonders exponierte Häuser sind an strategischen Stellen platziert, um markante Situationen innerhalb des Viertels zu schaffen. Insgesamt lebt der Entwurf von einer städtebaulichen Einheit in der Vielfalt und einer hohen differenzierten Dichte. Das Konzept ist damit stark genug, um auch die bis ins Jahr 2040 zu erwartenden Anpassungen der Planung aufzunehmen.