Klostergarten Lehel

Um notwendige Baumaßnahmen zur Sanierung ihres Sitzes zu finanzieren, hatten die Franziskaner des Klosters St. Anna Teile ihrer Liegenschaft in Erbpacht an die Bayerische Bau und Immobilien GmbH & Co. KG vergeben. Hild und K Architekten BDA wurden mit der Planung einer exklusiven Wohnanlage, bestehend aus drei Häusern mit einer Gesamtwohnfläche von 3900 qm, beauftragt.

Andreas Hild und Dionys Ottl hatten dabei in besonderem Maße die unmittelbare Nachbarschaft zum Konvent und die Geschichte der ursprünglichen Bebauung zu berücksichtigen. Ihr Ziel war, das prägnante Ensemble des Klosters nicht in einzelne Bestandteile von Neuem und Bestehendem zu zerteilen, sondern ein Miteinander von Ordensbereich und Familienwohnen zu schaffen. Eine Reminiszenz an das frühere Klostergebäude – das aufgrund seiner kleinzelligen Struktur nicht in Wohnraum umzuwandeln war und deshalb abgebrochen wurde – sind die wiedereingebauten neuromanischen Fensterelemente des ehemaligen Refektoriums. Die Wiederverwendung alter Teile ist ein in der zeitgenössischen Denkmalpflege unübliches Verfahren, dennoch entschieden sich Hild und K, diese gleichsam wie Spolien in das neue Gebäude zu integrieren. Die alten Elemente prägen nun entscheidend die Identität und Struktur des neuen Wohnbereiches. Die fast 5 Meter hohen Mauerbögen stellten eine erhebliche Herausforderung für die Organisation der neuen Volumetrie dar. Die Architekten lösten diese Aufgabe, indem sie Split-Level-Einheiten entwarfen. Bis zu 4,5 m hohe Hallen erschließen nun weitere Ebenen derselben Wohnung in gängiger Geschosshöhe.

Zum ehemaligen Klostergarten hin, der mit seinem schützenswerten Baumbestand über die Bauzeit hinweg erhalten werden konnte, bildet die Fassade diese außergewöhnliche räumliche Organisation ab. Ebenso klar sichtbar wird hier die Heterogenität moderner und vorgefundener Bauteile. Zwar reflektiert die neue Bausubstanz in charakteristischen Elementen wie Fenstern, Gauben und Ziegeldach ihren Bezug zum Bestand, mit dem die Fassade auch farblich sowie in ihrer Gliederung durch unterschiedliche Putzstärken und -oberflächen korrespondiert. Dennoch wird die historische Differenz, die den Charakter dieses Bauteils ausmacht, keinesfalls geleugnet. In der Ansicht, die sich vom Klostergarten aus bietet, treffen alte und neue Fassadenelemente sichtbar aufeinander. Nahezu unverändert erhalten wurde dagegen die Fassade an der Seitzstraße als denkmalgeschützter Gebäudeteil. Die insgesamt 33 Wohneinheiten von 37 bis 206 qm werden durch großzügige Treppenhäuser erschlossen und sind in ihren Grundrissen durch die Nutzer weitgehend frei gestaltbar. Ermöglicht wird dies durch eine Stahlbetonskelettkonstruktion mit vorgesetzter Mauerwerksschale, die statisch große Spannweiten gewährleistet. Zugleich garantiert das Mauerwerk einen hohen Grad an Wärmedämmung im Sinne einer nachhaltigen Bauweise.