Hotel Werk 17

Hotel „Werk 17“
Ein ehemals industriell genutztes Areal hinter dem Münchner Ostbahnhof fungierte mit seinen umgenutzten Lager- und Werkshallen für insgesamt mehr als zwanzig Jahre als Veranstaltungsgelände und Refugium für Künstler und Kreative. Im Anschluss an diese „Interimsphase“ wird das sogenannte Werksviertel nun einer Umstrukturierung unterzogen, die Wohnen und Arbeiten auf bisher einzigartige Weise mit Gastronomie und Kultur verbinden will. Auf dem Erhalt des besonderen Charakters des Ortes liegt dabei großes Augenmerk. Entsprechend reagiert auch die Fassade des von Hild und K München Berlin geplanten Hotels Werk 17 mit den Materialien Klinker und Beton auf die industriell geprägte Umgebung. Großformatige Ziegel wurden in Elemente aus eingefärbtem Beton eingelegt. Dies erlaubt es, sie wie in einem Lamellenvorhang geschuppt anzuordnen. Das Relief erzeugt ein lebendiges, weil je nach Sonnenstand und Perspektive wechselndes Bild aus Licht und Schatten. Eine Reminiszenz auch an die Lehmstadt München und die lebendigen Oberflächen ihrer historischen Ziegelbauten.

Das Gebäude wurde mit einer mehrschichtigen Fertigteilfassade errichtet. Diese Bauweise ist ausgesprochen rational, weil sie die klassischen Fertigungsschritte Rohbau und Fassade zusammenfasst und viele Prozesse ins Werk verlagert. Um Abläufe zeitlich zu optimieren, wurden die entsprechenden Elemente aus Tragschale, Dämmung und Sichtschale parallel zur Rohbauerstellung gefertigt. Neben den Fassadenelementen wurden auch Filigrandecken und -wände sowie die Bäder vorproduziert. Der Bauprozess bildet mit jedem Stockwerk quasi das fertige Haus ab und erfordert daher einen sehr sorgfältigen sowie technisch und organisatorisch anspruchsvollen Planungsprozess im Vorfeld. Mit einer witterungsunabhängigen Realisierung und einem durchgängig hohem Niveau der Produktion bietet modulares Bauen bekanntermaßen viele Vorteile. Ästhetische Qualitäten zählte bislang wohl kaum jemand darunter. Hier gehen Andreas Hild, Dionys Ottl und Matthias Haber neue Wege: Optisch entspricht die Fassade gewiss nicht dem Klischee des „Plattenbaus“. Vielmehr bestimmt die Präzision, in der die einzelnen Elemente gefertigt wurden, auch deren äußere Erscheinungsweise. Die schuppenartige Anordnung der Klinkerriemchen wäre in dieser Exaktheit vor Ort kaum zu realisieren gewesen. Sie zeugt inmitten der industriellen Fertigung von der handwerklichen Expertise des Herstellers, mit dem gemeinsam die Elemente entwickelt wurden.

Noch den bei dieser Konstruktionsweise unvermeidlichen Fugen gewinnt die Architektur einen ästhetischen Aspekt ab. Gliedert doch die Anordnung der Betonfertigteile die Ansicht des gestaffelten Baukörpers, der sich – dem Bebauungsplan folgend – über einem Sockelgeschoss mit nahezu quadratischer Grundfläche bis zum dritten Obergeschoss auf U-förmigem und darüber auf L-förmigem Grundriss abzeichnet. Die über dreihundert Zimmer des betreibergeführten Hotels sind in sechs Obergeschossen angesiedelt. Im Erdgeschoss befinden sich Lobby, Einzelhandelsfläche und Kleingastronomie, in den drei Untergeschossen eine Tiefgarage mit rund dreihundertzwanzig Stellplätzen und zahlreichen Fahrradstellplätzen, welche an das in unmittelbarer Nahbarschaft zu errichtende Konzerthaus des Freistaat Bayerns angebunden sein wird. Auf den Dächern des Gebäudes werden umfangreiche Biotope für Insekten und Vögel angesiedelt.