Umbau und Sanierung Brunnstrasse

Es war einmal…
… ein spätbarockes Handwerkerhaus in München. Errichtet im 18. Jahrhundert auf den Grundmauern eines mittelalterlichen Vorgängerbaus, dessen Strukturen es weitgehend wiederholte, war es Bestandteil des denkmalgeschützten Ensembles „Münchner Altstadt“ und gehörte zu dessen herausragenden Baudenkmälern. Daran störte sich ein Käufer, der das Gebäude Mitte der 90er Jahre erworben hatte, allerdings wenig. In einer unsachgemäßen „Generalsanierung“ verzierte er die ehemals zurückhaltend wirkende Fassade mit historisch völlig verfehlten Stuckformen und Farben, zerstörte alte Holzbalkendecken und stockte das Gebäude auf, ohne sich um eine Genehmigung zu kümmern. Erst 2004 ergab sich mit einem Eigentümerwechsel die Gelegenheit für die Aufhebung dieser untragbaren baulichen Verhältnisse.

Die neue Besitzerin beauftragte Hild und K Architekten BDA damit, das Gebäude einem genehmigungsfähigen Zustand zuzuführen. Andreas Hild und Dionys Ottl begannen, das entstellte Baudenkmal zu rehabilitieren. Dabei konnte es ihrer Überzeugung nach jedoch nicht um eine reine Rekonstruktion des Vergangenen gehen. Schließlich war die wechselhafte Geschichte des Hauses nicht einfach rückgängig zu machen. Es galt, dem Haus seine historische Würde wiederzugeben, ohne die dafür notwendigen Eingriffe zu leugnen. Im Juni 2008 begannen die Bauarbeiten: Die atypischen Fassadenverzierungen wurden ebenso entfernt wie eine Holzverkleidung im Erdgeschoss. Die Struktur der Wandflächen wurde – wie für die Münchner Altstadthäuser typisch – bis zum Boden geführt. Eine ungenehmigte Dachterrasse wurde zurückgebaut, ihr Geländer im Sinne einer baugeschichtlichen Collage als neue Absturzsicherung im Treppenraum des Gebäudes wiederverwendet.

Die Farbgestaltung der nunmehr schlichten Fassade orientiert sich am städtebaulichen Kontext. Putzfaschen um die Fensteröffnungen stellen einen Bezug zum Nachbarhaus her, welches Gestaltungselemente des 18.Jh. aufweist. Durch eine eigene Interpretation der Putzfaschen – gegenläufig aus der Fassade gekippte und eingedrückte Flächen – wird die ursprüngliche Formensprache in die Gegenwart transponiert. Das Gebäude ist nun wieder zu einem Baustein des städtebaulichen Ensembles geworden, in das es sich harmonisch einfügt. Auch heute noch gehen eben manche (Bau)Geschichten gut aus!