Am 3. September feierte das Land Berlin gemeinsam mit dem kommunalen Wohnungsunternehmen degewo und der landeseigenen Projektentwicklungsgesellschaft Berlin TXL den Baustart für das Schumacher Quartier. Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel wird in den nächsten Jahren ein sozial-ökologisches Modellquartier mit über 5.000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen geschaffen. Keine anonyme „Schlafstadt“, sondern – den Leitlinien des Berliner Senats zufolge – eine „lebendige Nachbarschaft“, mit vielfältigen Nutzungen, einer ausgewogenen sozialen Mischung, hoher räumlicher Qualität und ambitionierten Ansprüchen an Klimaschutz und Resilienz, Wassermanagement und Artenschutz.

Im Bieterverfahren für die ersten beiden Baufelder mit insgesamt 327 Wohnungen, einer Kita und 15 Gewerbeeinheiten hatte sich die B&O Bau – Pionierin im Bereich des Holzsystembaus – als Generalübernehmerin durchgesetzt. Bestandteil des erfolgreichen Angebots war die inzwischen ausgearbeitete architektonische Entwurfsplanung von Hild und K. Diese übersetzt die vorgegebenen Ziele in ein robustes, differenziertes und zukunftsorientiertes Architektur- und Nutzungskonzept – integrativ, nachhaltig und mit hohem städtebaulichem Anspruch.

Die in Holzhybrid-Systembauweise zu errichtenden Gebäude sind als zusammenhängende Ensembles von klar differenzierten Baukörpern gestaltet. Sie gruppieren sich um üppig begrünte und vielfältig nutzbare Innenhöfe herum. Die architektonische Gestaltung stellt dabei die Balance zwischen klar ablesbarer Blockstruktur und lebendiger Vielfalt her. Die dafür notwendigen Differenzierungen werden vor allem durch zwei Grundprinzipien erreicht: Rhythmuswechsel und Proportionierung.

Der Rhythmus ergibt sich vornehmlich aus dem Wohnungsmix in den Obergeschossen, wo 1- bis 5-Zimmer-Einheiten sowie Sonderwohnungen für innovative Formen gemeinschaftlichen Zusammenlebens geschaffen werden, und den daraus folgenden unterschiedlichen Anforderungen an die Freibereiche. So wechseln sich Abschnitte mit höheren Verglasungsanteilen oder einer größeren Zahl von Balkonen mit eher flächigen Bereichen und Loggien ab. Gebäudeeingänge, Durchgänge und begrünte Abschnitte sowie ein Wechsel in der Ausrichtung der Holzverkleidung sorgen für weitere Varianz innerhalb des Blocks. Dessen Ecken sind – teils durch unterschiedliche Höhenentwicklung – betont. Das sorgt für Orientierung und gliedert den Straßenraum.

Vertikal proportioniert werden die Holzfassaden durch eine klassische Aufteilung in Sockel, Mittelbau und Attika. Für die Definition der entsprechenden Bereiche sorgen unterschiedliche Tiefen eines verbindenden Farbtons, aber auch variierende Geschosshöhen, aus der Fassade auskragende Pflanztröge und die Betonung des Dachabschlusses.
Der Entwurf verbindet so die Vorteile eines industriellen Holzhybrid-Systembaus mit einer Gestaltung, die dem Risiko von Monotonie mit Varianz und der Stärkung einzelner Gebäudeidentitäten entgegentritt. Damit leistet die Architektur ihren ganz eigenen Beitrag zum Erfolg des „sozial-ökologischen Modellquartiers“. Denn – so unsere feste Überzeugung: Schönheit ist nachhaltig!